In Weiterbildung

Hier geben wir Ihnen einen kurzen Bericht über unser Marketing Webinar vom 23. Feb. 2021 zum Thema Impfzentren – Was ist zu tun für Kinder mit seltenen Krankheiten?.

Referent war MC Lago-Mitglied Dr. Frank Grossmann, Founder, Director und Board Member der 2010 gegründeten Foundation Orphanhealthcare die erste gemeinnützige und unabhängige Schweizer Institution für seltene Krankheiten. Ich, Urs E. Gattiker, MC Lago Präsident, bin übrigens auch Beirat der Stiftung Orphanhealthcare. Hier geht es um:

  • Impfen: Warum brauchen wir nebst öffentlichen, auch private Impfzentren und den mobilen Impf-Hub der Foundation Orphanhealthcare?
  • Kinder mit seltenen Krankheiten: Was muss für diese Risikogruppe getan werden?
  • 3 Herausforderungen, die wir schnell lösen müssen, um die Gesamtimmunität für unsere Bevölkerung sicherzustellen.

PS. Damit Sie weitere interessante Events online und hoffentlich auch bald wieder vor Ort erleben können, empfehlen wir Ihnen unseren Newsletter zu abonnieren. Schauen Sie gerne auch im MC Lago Newsletter Archiv vorbei.

Fakten zu COVID-19

Hier einige interessante Fakten zum Thema Coronavirus und Impfungen:

  • 550,000 Impfdosen wurden in der Schweiz bis jetzt vorwiegend an alte und fragile Personen verabreicht. In der Schweiz sind bisher rund 20 Meldungen wegen einem zeitlichen Zusammenhang zwischen Corona-Impfung und dem Tod einer Person eingegangen. Die Autopsieberichte gehen bei keinem der Fälle davon aus, dass die Impfung den Tod verursacht hat (Neue Zürcher Zeitung).
  • 113 Berichte über Todesfälle nach Corona-Impfungen wurden in Deutschland überprüft – bei 50 Fällen war der Tod innerhalb von 18 Tagen nach der Immunisierung aufgetreten – hier wurde die Todesursache als unbekannt ausgewiesen. Rein statistisch sind hier rund 78 Todesfälle zu erwarten. Auch hier wurden keine Sicherheitsprobleme gefunden (Paul-Ehrlich-Institut 2021-01-28 – Sicherheitsbericht).
  • 70 – 90 % der Bevölkerung müssen entweder vollständig geimpft worden sein oder aber sich bereits nach einer COVID19-Infektion erholt haben um für die Bevölkerung die Gesamt-/Herdenimmunität zu erreichen – PHICOR (Public Health Informatics, Computational, and Operation Research) Team.
  • Hier finden Sie eine grafische Simualtion: Herden-/Gesamtimmunität – graphische Simulation – Humboldt Universität
  • 15 % der Bestände des AstraZeneca-Vakzins wurden im Februar als Impfdosen verabreicht. Hauptgrund dafür ist, dass in Deutschland viele Personen gegenüber diesem Vakzin skeptisch sind (BMG, RKI).

Grafiken können Sie mit diesem Link einsehen: Unsere Welt in Daten: Wieviele COVID-19 Impdosen werden täglich verabreicht?

Die obigen Daten zeigen, dass ausser Israel die meisten Länder inklusive AT, DE und CH von der Gesamtimmunität (Impfungen und erholte COVID-Patienten welche immun sind) weit weg sind.

Nur 0.16 % sind in Österreich und Deutschland, wobei pro 100 Einwohner täglich 0.22 Impfdosen verabreicht werden können. Für die Herdenimmunität gegen den Corona-Virus müssen 80 – 90% der Bevölkerung entweder geimpft oder durch vorheriger Krankheit immun sein.

Fragen an Dr. Frank Grossmann

Unten finden Sie einige Fragen und Antworten, die wir während des MC Lago Webinars mit Dr. Frank Grossmann diskutiert haben. Dies ist nur ein kleiner Teil dessen, was wir aus dem virtuellen Event mitgenommen haben. Natürlich war es noch interessanter, beim digitalen Event zu Besuch zu sein. Sie können sich zu den nächsten Events hier anmelden.

Wieso braucht es neben den öffentlichen auch private Impfzentren?

Private Organisationen können manchmal Dinge besser in die Wege leiten, weil sie nicht wie eine Behörde denken und zudem kürzere Wege haben. Es ergeben sich so neue Synergien, die Behörden nutzen könnten, um selbst besser und kompetenter arbeiten zu können. Im Moment glänzen viele durch Fehler und Zögern – und das obwohl diese Dinge klar sind:

  • Je mehr in kurzer Zeit geimpft werden können, desto schneller ist der Lockdown zu Ende.
  • Je besser und breiter die Versorgung mit Impfungen ist, desto einfacher nutzen Menschen diese Angebote.

Wir bringen die Impfung zu den Menschen und nicht umgekehrt. Firmen profitieren vom Allround-Service und können Mitarbeiter schneller wieder im Normal-Modus einsetzen. Gesundheit kann verbessert und menschliches Leid verkürzt werden.

Ganz klar, um die Gesamtimmunität sicherzustellen, müssen wir die Impfung zu den Menschen bringen. Nur dann haben wir eine Chance, die Gesamtimmunität sicher zu stellen.

Was ist der Vorteil vom mobilen Impfen?

Menschen mit besonderen Voraussetzungen können vor Ort / an der Haustüre von der Impfung profitieren. In England und Israel wird dies schon heute erfolgreich umgesetzt. Menschen müssen keine Anfahrt mit ÖV zu Impfzentren in Kauf nehmen. Dadurch lassen sich Wartezeiten und ebenfalls ein höheres Ansteckungspotential vermeiden.

Impfteams sind flexibler als Impfzentren und können bei den Firmen vor Ort impfen.
Walk-Ins schaffen höhere Kapazitäten für unser geplantes Impfenzentrum, auch bei Firmen welche Ihren MitarbeiterInnen die Impfung vor Ort anbieten wollen.

Warum wollen Entscheidungsträger bislang nicht auf private und mobile Impfzentren zurückgreifen?

Bisher wollen öffentliche Entscheidungsträger nur zögerlich auf private Impfzentren zurückgreifen. Grund dafür ist vielleicht, dass sie ihre Ideen selber vermarkten wollen. Ebenfalls denken sie statisch und nicht wie Unternehmen oder Betroffene flexibel.

Corona-Tests werden zur Zeit nur an bestimmte Anbieter der Gesundheitsbranche weitergereicht. Doch auch hier könnten private Organisationen eine breitere Gruppe erreichen. Beispielsweise könnte unser mobiler Impf-Hub ebenfalls helfen, Massentests in Unternehmen durchzuführen. Dadurch werden symptomlose Infizierte gefunden, was wiederum deren Weitergabe des Virus verhindern könnte.

Warum sollten wir hier mehr koopieren?

Ohne Kooperation können Behörden von deren Fehlern oder „Versagen“ ablenken. Sie können damit zeigen, dass Sie die Innovationskraft nutzen und sich besser verkaufen. Kooperation zwischen öffentlichen und privaten Impfzentren bietet grosse Vorteile, inklusive grösserer Nähe bei den verschiedenen Risikogruppen.

Was ist besonders bei Familien mit Seltenen Krankheiten?

In der Schweiz sind rund 400‘000 Personen direkt oder indirekt von einer der ca. 7000 bisher bekannten «Seltenen Krankheiten» betroffen.
In Deutschland sind 3.5 Mio. Familien von seltenen Krankheiten betroffen. 5 Mio. Menschen leiden unter einer seltenen Krankheit.

Kinder mit seltenen Krankheiten sind aufgrund ihrer Erkrankung nicht in der Lage, selbst am durch Corona reduzierten Alltag teilzunehmen. Sie leiden nicht nur an ihrer Krankheit, da sie zusätzlich auch emotional belastet sind. Eine Infektion für sie birgt zusätzliche Risiken.

Speziell seltene Krankheiten und Kinder

Familien mit seltenen Krankheiten gehören zu den Risikogruppen. Kinder wie auch Familien haben unmittelbaren Nutzen dank einem Impfzentrum von unserer Stiftung. Sie können damit auch besser vor den Folgen einer COVID-Infektion geschützt werden.
Die Eltern tragen die Infektion nicht mehr nach Hause und die ganze Familie – geimpft – hat breiten Schutz und Entlastung.

Problematik ist (siehe auch Daten oben), dass weiterhin Impfstoffe nur langsam geliefert werden. In Pflegeheimen haben sich weniger als 50% der Mitarbeitenden impfen lassen (z.B. Kanton Zürich). Nur 15% der vorhandenen Impfdosen des AstraZeneca-Vakzins konnten im Februar in Deutschland verabreicht werden. Von einer Gesamt- oder Herdenimmunität sind wir deshalb weiterhin weit entfert.

Es braucht also Überzeugungsarbeit mit Patienten und den Zugehörigen der Risikogruppen. Für diese Arbeit sind wir prädestiniert, d.h. wir kennen deren Bedürfnisse, Sorgen und haben deren Vertrauen. Davon ist ein grosses Impfzentrum mit 10 Impfstrassen weit weg.

Was braucht es, um die Bewilligung für ein Impfzentrum zu erhalten?

Sehr viel Material (siehe Fotos unten) musste zusammen getragen werden. Diese und weitere Arbeiten bis zur Fertigstellung vom Report waren sehr zeitaufwendig.

Warum überlässt man das Impfen nicht den allgemein praktizierenden Ärztinnen?

Ärzte haben einen Grundauftrag und sind für die COVID-Impfung oft nicht ausgestattet wie z.B.:

  • Platz für diese zusätzliche Aufgabe fehlt,
  • Einhalten der Abstandsregeln bedingt, dass die Anzahl der versorgten Patienten wegen diesen Risikofaktoren nochmals sinkt und
  • notwendige Kühlschrank-Kapazitäten fehlen.

Wir können den Ärzten die Arbeit abnehmen und sie so im Alltag entlasten und unterstützen.

Was kann hier Marketing zur Problemlösung beitragen?

Mindestens 2 Dinge scheinen uns hier wichtig:

  • Kommunikation: Transparenz im Reporting der Fallzahlen usw. ist der Schlüssel zum Erfolg in Sachen Vertrauensbildung. Dies hat sich gebessert, aber Kommunikation der öffentlichen Stellen ist nicht überall gleich schnell, kompetent und informativ (siehe auch Linksammlung unten).
  • Überzeugungsarbeit: Warum soll ich mich impfen lassen, was sind die Risiken? Dieses Informationsbedürfnis ist zur Zeit für viele Menschen und speziell die Risikogruppen, die zuerst geimpft werden, nicht gut genug abgedeckt.

Marketing hat die Aufgabe die Bedürnisse der Kunden zu kennen. Nur dann können bedürfnissgerechte Angebote und Produkte entwickelt werden. Foundation Orphanhealthcare tut deren Bestes, auf die speziellen Bedürfnisse der Kinder und Familien mit seltenen Krankheiten mit z.B. dem mobilen Impf-Hub einzugehen. Das geplante Impzentrum sowie der mobile Impf Hub der Stiftung sind ihre innovative Antwort auf das grosse Bedürfnis der Menschen und Familien mit seltenen Krankheiten.

Schlussfolgerungen und interessante Ressourcen

Die obigen Ausführungen zeigen, Einiges wurde schon erreicht aber es gibt noch sehr viel zu tun, um diese drei Herausforderung zu meistern:

  • 1. Herdenimmunität: Möglichst viele Einwohner müssen sich freiwillig impfen. Nur wenn dies 70 – 90 % tun, erreichen wir eine Herdenimmunität. Beispielsweise beträgt in den 400 Alters- und Pflegeheimen vom Kanton Zürich die Impfquote bei den Bewohnern 71 %. Bei den Mitarbeitenden 44% (Kanton Zürich). Hier wird die Herdenimmunität nicht erreicht, d.h. viel Überzeugungsarbeit steht noch an.
  • 2. Impfstau: Wir müssen es den Menschen ermöglichen, möglichst einfach an die Impfung zu gelangen. Grosse Impfzentren sind eine Möglichkeit, mobile Impfzentren sinde eine wichtige Ergänzung. Leider fehlt in der Schweiz und in Deutschland das nötige Vakzin gegen COVID-19. Das bedeutet auch, dass viele nicht vor Juli gimpft werden können. Skepsis gegen Vakzine hilft uns hier auch nicht weiter.
  • 3. Risikogruppe seltene Krankheiten: Kinder mit seltenen Krankheiten und deren Familienangehörige sind eine relativ grosse Risikogruppe, die es zu schützen gilt. Foundation Orphanhealthcare hat Nägel mit Köpfen gemacht, die Gesundheitsbeörde vom Kanton Zürich ist am Zug, d.h. sie täte gut dran, der Stiftung die Bewilligung zu Erteilung und die Vakzin-Lieferungen an deren Impfzentrum voranzutreiben.

Foundation Orphanhealthcare in der Neuen Züricher Zeitung – wieso dauert es so lange, bis die Stiftung loslegen darf?

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Showing 2 comments
  • Avatar
    Frank Grossmann
    Antworten

    Wenn sich weitere Firmen für unseren „mobilen Impf-HUB“ interessiert zeigen kann dies zu einer breiteren Wahrnehmung des Bedarfs führen.
    Dies sollte helfen, die Behörden von der Dringlichkeit für das Angebot zu überzeugen.

    • Avatar
      Antworten

      Lieber Frank
      Danke für diese wichtige Informationen. Herr Trefzger, CEO von Kühne+Nagel wird heute in der Financial Times zitiert (anklicken) wie z.B.:
      „Es geht um die Produktion, nicht um die Logistik“, sagte er und argumentierte, dass die Produktionskapazität der Hauptfaktor sei, der die Versorgung einschränke.
      „Ich möchte nicht über Hörensagen oder die Rückmeldungen sprechen, die wir bekommen, aber ich würde nicht erwarten, dass es realistisch ist, dass mehr als 30-50 Prozent der Menschen in der westlichen Welt vor dem Sommer nächsten Jahres geimpft [werden]“.
      Wenn wir es dann für die VErabreichung der einen oder zwei Impfodosen den Bürgerinnen noch schwehr machen (z.B. nur 1 Impzentrum im Bezirk/Landkreis, Aerzte wollen nicht Impfen da Kostenentschädigung zu tief ist), werden wir die Herdenimmunität (70-90% der Einwohner müssen geimpft sein) wohl kaum vor Ende 2022 wenn überhaupt erreichen.
      Herzlichst
      Urs
      #drkpiPageTracker

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